Professor Dr. Oleg Vorontsov übernimmt die Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum – sein Spezialgebiet ist die roboterassistierte Chirurgie
KULMBACH. Das Klinikum Kulmbach holt sich einen ausgewiesenen Spezialisten für komplexe Bauchoperationen ins Haus: Seit 1. Oktober leitet Professor (VSMU) Dr. Oleg Vorontsov die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Der Chirurg kommt vom Sana Klinikum Hof, wo er zuletzt als leitender Oberarzt tätig war und sich insbesondere mit der robotergestützten Chirurgie von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der Leber und des Darms einen Namen gemacht hat.
Für Landrat Jonas Gleich, Vorsitzender des Zweckverbands Klinikum Kulmbach, ist die Verpflichtung ein wichtiger Schritt. „Ich freue mich sehr, dass wir mit Prof. Dr. Vorontsov einen engagierten und fachlich hochkompetenten Leitenden Arzt für unsere Allgemein- und Viszeralchirurgie gewinnen konnten“, sagt Gleich im Gespräch mit unserer Redaktion. Vorontsov sei in der Region bestens vernetzt, kenne die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen und bringe eine „beeindruckende fachliche Vita“ mit. Bereits im Vorfeld seines Dienstantritts sei zu spüren gewesen, „mit wie viel Energie und Vorfreude er seine neue Aufgabe am Klinikum angeht“.
Vorontsov bringt nicht nur langjährige operative Erfahrung mit, sondern auch eine besondere Expertise im Umgang mit dem Da-Vinci-Operationssystem. In Hof war er Leiter des Pankreaskarzinomzentrums und zugleich Leiter des Da-Vinci-Zentrums Oberfranken für den Bereich Allgemein- und Viszeralchirurgie.
Für Aufsehen sorgte vor allem eine Operation Anfang 2025: Das Sana Klinikum Hof führte erstmals eine robotisch assistierte Whipple-Operation durch. Bei diesem hochkomplexen Eingriff wird unter anderem der Kopf der Bauchspeicheldrüse entfernt. Vorontsov war dabei Hauptoperateur. Auch das Universitätsklinikum Erlangen berichtete über den Eingriff und Vorontsov als Leiter des Pankreaskarzinomzentrums und Hauptoperateur.
Robotik hat in Kulmbach bereits Tradition
Dass Vorontsov gerade nach Kulmbach wechselt, passt auch deshalb fachlich gut: Mit der robotischen Chirurgie hat das Klinikum bereits seit Jahren Erfahrung. Das erste Da-Vinci-System ging Ende Juli 2019 in Betrieb. Rund 1,5 Millionen Euro hatte das Klinikum damals in die Technik investiert. Zunächst wurde der Roboter vor allem von der Urologie eingesetzt, insbesondere bei Prostataoperationen.
Inzwischen ist die Robotik am Klinikum deutlich breiter aufgestellt. Neben der Urologie arbeiten auch Gynäkologie, Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie Thoraxchirurgie mit dem System. 2024 wurden mit dem ersten Da-Vinci-Roboter bereits fast 400 Operationen durchgeführt. Weil die Kapazitäten angesichts der steigenden Nachfrage nicht mehr ausreichten, wurde inzwischen ein zweites Da-Vinci-System angeschafft. Es handelt sich ebenfalls um ein hochmodernes Xi-System; die Investition lag bei rund zwei Millionen Euro.
Vorontsov kommt damit nicht in ein Haus, das die robotische Chirurgie erst aufbauen muss. Vielmehr soll er auf einer bereits etablierten technischen und organisatorischen Struktur aufbauen und seine besondere Erfahrung in der Viszeralchirurgie einbringen. Genau diese Ausstattung war für ihn nach eigenen Worten ein wichtiger Grund für den Wechsel. „Kulmbach hat einen tollen Ruf“, sagt Vorontsov. Besonders freue er sich über die beiden Da-Vinci-Operationssysteme am Klinikum. Diese technische Ausstattung sei für ihn in Oberfranken außergewöhnlich.
Vom Medizinstudium in Moskau nach Oberfranken
Der Weg des neuen Kulmbacher Chefarztes in die Medizin begann in Moskau. Dort studierte Vorontsov Medizin und absolvierte seine chirurgische Ausbildung. 2005 kam er nach Deutschland. Weil seine damaligen Ausbildungsnachweise zunächst nicht anerkannt werden konnten, durchlief er hier nochmals die Facharztausbildung, heißt es in einer Mitteilung aus dem Kulmbacher Klinikum. Stationen waren unter anderem Kliniken am Bodensee und das Juliusspital in Würzburg.
2010 wechselte Vorontsov nach Hof. Dort übernahm er im Laufe der Jahre verschiedene Aufgaben und wurde 2012 leitender Oberarzt. Neben seiner Tätigkeit in der Allgemein- und Viszeralchirurgie war er unter anderem Koordinator des Darmkrebszentrums und Leiter des Pankreaskarzinomzentrums. Seit 2024 war er Sektionsleiter der robotischen Chirurgie. Die Sana führt ihn als Facharzt für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie mit der Zusatzbezeichnung Spezielle Viszeralchirurgie.
Auch wissenschaftlich ist Vorontsov aktiv. Die Volgograd State Medical University führt ihn als Associate Professor; wissenschaftliche Veröffentlichungen weisen ihn als „Candidate of Medical Sciences“ und Associate Professor der Hochschule aus. Seine Publikationen beschäftigen sich unter anderem mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der Gallenwege und mit chirurgischen Komplikationen.
Neben der Pankreaschirurgie gehört auch die robotische Behandlung von Leber- und Darmerkrankungen zu seinen Schwerpunkten. In Hof war er unter anderem an robotisch assistierten Leberresektionen beteiligt.
Behandlungsspektrum soll wachsen
Nun soll seine Erfahrung in Kulmbach zum Einsatz kommen. Neben den technischen Möglichkeiten schätzt Vorontsov nach eigenen Worten auch die bestehenden Strukturen des Klinikums. Dazu gehören die Kooperationen mit den Universitätskliniken in Jena, Würzburg und Erlangen sowie das zertifizierte Onkologische Zentrum und das zertifizierte Darmkrebszentrum. Das bestehende Behandlungsspektrum soll nach Vorontsovs Worten vollständig erhalten bleiben. Gleichzeitig will der neue Chefarzt die Möglichkeiten erweitern. Mehr Behandlungsoptionen soll es künftig unter anderem bei Hernienoperationen, also bei der Versorgung von Bauchwandbrüchen, sowie bei Eingriffen an der Schilddrüse und im gesamten Bereich der Viszeralchirurgie geben.
Auch Geschäftsführerin Brigitte Angermann sieht in dem Wechsel eine Chance für das Klinikum. „Wir freuen uns sehr, dass wir nahtlos einen Nachfolger für diese wichtige Position in unserem Haus gefunden haben“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Mit Vorontsov habe man einen „höchst kompetenten und versierten Operateur“ gewinnen können, der die Region bestens kenne, gut vernetzt sei und bereits über gute Kontakte zu niedergelassenen Ärzten verfüge. „Er wird hier schnell Fuß fassen“, ist Angermann überzeugt.
„Wir werden natürlich im Rahmen des krankenhauspolitisch Möglichen versuchen, unser Spektrum entsprechend zu erweitern oder zu vergrößern“, sagt die Geschäftsführerin. Vorontsovs Erfahrung und seine Vernetzung sollen dabei helfen, die Abteilung medizinisch weiterzuentwickeln.
Auch die Ausbildung junger Mediziner ist Vorontsov ein Anliegen. Sein internationales Netzwerk möchte er dafür nutzen, zusätzliche Möglichkeiten für Fort- und Weiterbildung in Kulmbach zu schaffen. International ist er ebenfalls in der Ausbildung tätig: Als Proctor unterstützt er nach Angaben des Klinikums Chirurgen in Usbekistan beim Aufbau von Erfahrungen mit einem Da-Vinci-System.
Entscheidend für den neuen Chefarzt ist dabei die Zusammenarbeit über die Grenzen der eigenen Fachabteilung hinweg. Gerade bei komplexen Eingriffen sei eine enge Kooperation mit Gastroenterologie, Anästhesie, Radiologie und Onkologie notwendig. „Alleine bewegst du nichts – im Team macht die Arbeit auch einfach mehr Spaß“, sagt Vorontsov. Am Klinikum Kulmbach habe er bereits den Eindruck gewonnen, dass dort viele Menschen mit großer Freude an ihrem Beruf arbeiteten.
Für Landrat Gleich ist genau diese Verbindung aus fachlicher Kompetenz und Teamorientierung wichtig. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und bin überzeugt, dass Prof. Dr. Vorontsov für seine Abteilung und für das gesamte Klinikum eine große Bereicherung sein wird“, sagt der Landrat.
Auch privat gibt es für den zweifachen Familienvater einen Grund, künftig stärker in Kulmbach heimisch zu werden. Vorontsov hat eine Tochter und einen Sohn und sucht nach eigenen Angaben für seine Familie ein Haus mit schönem Garten. Neben der Medizin gehören das Laufen und die Försterei zu seinen Interessen – wobei für beides als Vater zweier Kinder derzeit nicht allzu viel Zeit bleibe.
Landrat Jonas Gleich und Geschäftsführerin Brigitte Angermann haben den neuen Leitenden Arzt inzwischen offiziell willkommen geheißen. Beide wünschen Vorontsov einen guten Start und freuen sich auf die Zusammenarbeit.





